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Essay · beyond decay · Hans Ley & Claude (Anthropic)

Two Patients in One Bed

Rivian and Volkswagen: a partnership in which two structurally weakened companies are supposed to rescue each other
March 2026 · Authors: Hans Ley & Claude (Anthropic)

In the summer of 2024, Volkswagen and the American electric vehicle startup Rivian announced a partnership intended to transform both companies. VW would invest up to 5.8 billion dollars and in return gain access to Rivian's software. What has happened since can be described precisely — with the figures that are available.

I. The Starting Position

Rivian was founded in 2009 in Irvine, California. The company builds the R1T pickup truck, the R1S SUV, and a delivery van for Amazon. The vehicles are technically well-regarded — in particular Rivian's so-called zonal electrical architecture, an approach in which a few central computing units coordinate the entire vehicle electronics instead of dozens of distributed control units.

Volkswagen, by contrast, had had an obvious problem for years: software. Die konzerneigene Softwareeinheit Cariad, 2020 gegründet und mit mehreren Milliarden Euro ausgestattet, hatte den Porsche Macan EV und den Audi Q6 e-tron um Jahre verzögert. Interne Kultur-Konflikte zwischen Hardware-Ingenieuren der alten Schule und neu eingekauften Software-Entwicklern waren in Wolfsburg kein Geheimnis mehr.

In this situation, VW sought an external rescuer. It found Rivian.

Key figures for the partnership (as of March 2026)
Announcement: June 2024
Planned total volume: up to USD 5.8bn
Already transferred: USD 3bn (USD 1bn each in 2024, July 2025, March 2026)
Joint Venture: Rivian and Volkswagen Group Technologies (RVT), >1.000 Mitarbeiter
VW share of running costs: 75 percent
Estimated total VW cost 2026 per Der Spiegel: approx. EUR 2.3bn

II. What Rivian Makes of the Partnership

For Rivian, the partnership is primarily a financing instrument. The company recorded a net loss of 3.6 billion dollars in 2025 — after years of consecutive losses. For 2026, management expects an adjusted loss of 1.8 to 2.1 billion dollars. The cash burn is structural: Rivian has to date spent more money on every vehicle it produces than it has received.

The VW payments have de facto rebuilt the business model. Rivian's software and services revenue grew to 1.56 billion dollars in 2025 — the bulk of which, according to the company, came from the joint venture with VW. Around 60 percent of the fourth-quarter software figures came from the VW partnership. Without publicly stating it as such, Rivian has transformed itself into a software supplier for VW that also happens to build electric vehicles.

When a journalist at the SXSW festival im März 2026, warum VW Rivian nicht einfach aufkaufe, antwortete CEO RJ Scaringe nach fünf Sekunden Pause: „Das ist nicht das Ergebnis, das wir angestrebt haben.“ Mehr sagte er nicht.

III. What VW Makes of the Partnership

Für Volkswagen war die Logik einfach: Rivians Software funktioniert, die eigene nicht. Der Einkauf von Kompetenz schien schneller als der Aufbau. Was man dabei übersehen hat, ist ein strukturelles Mismatch, das sich inzwischen in konkreten Verzögerungen niederschlägt.

Rivians Software ist für reine Elektrofahrzeuge entwickelt. VW hat jedoch — nicht zuletzt aufgrund des Drucks durch US-Zölle unter der Trump-Administration und rückläufiger EV-Nachfrage — entschieden, Verbrennermodelle länger im Programm zu behalten als ursprünglich geplant. Rivians Software ist für diese Modelle nicht ausgelegt. Rivian hat nach übereinstimmenden Berichten wenig Interesse, sie dafür anzupassen.

Das Ergebnis: VW unterhält parallel weiterhin Cariad — die Einheit, die man mit der Rivian-Partnerschaft eigentlich hatte schrumpfen wollen — zu Kosten, die nach Einschätzung des Manager Magazins in die Milliarden gehen. Gleichzeitig gibt es Berichte über eine zweite, parallele Entwicklungslinie für Verbrennerfahrzeuge („SDV@ICE“), die zusammen mit der fortgeführten Cariad-Infrastruktur nach Einschätzung des Fachmagazins Manager Magazin weitere 6,5 Milliarden Euro kosten könnte.

IV. Die konkreten Verzögerungen

Manager Magazin reported in September 2025 and January 2026 über eine Krisensitzung auf der IAA in München, an der Rivian-CEO Scaringe und VW-Markenchefs teilnahmen, um Startpläne neu zu ordnen. Die Ergebnisse: Audis Q8 e-tron und der elektrische A4-Nachfolger sind mindestens auf 2028 verschoben. Porsches geplanter Elektro-SUV K1 wurde auf unbestimmte Zeit zurückgestellt. Der Audi A4, ursprünglich für 2023 geplant, soll frühestens Ende 2028 kommen — Entwickler seien „ausgezehrt“, berichtet das Magazin.

There is also a cultural conflict that manifests in substance: Audi und Porsche wollen maximale Anpassungsfähigkeit der Software für ihre Premiummarken. Rivian bevorzugt Standardisierung, um Entwicklungskosten zu begrenzen. Dieser Konflikt ist nicht durch guten Willen lösbar — er ist strukturell, weil Rivians Plattform für genau jene Vereinheitlichung gebaut wurde, die VW-Premiummarken ablehnen.

Delayed or cancelled VW models (as of March 2026)
Audi Q8 e-tron: delayed at least 1 year, now mid-2028
Audi A4 electric (originally 2023): now late 2028
Porsche K1 electric SUV: postponed indefinitely
First VW model with Rivian software (ID.1): planned late 2027
ICE adaptation of RVT software: cancelled (too expensive; licence rights not secured)

V. The Official Narrative

Both companies communicate the partnership as a success. Ende März 2026 verkündete VW den Abschluss von Wintertests mit Prototypen der Modelle ID.1, Audi und Scout, die auf Rivians Architektur basieren — und löste damit eine weitere Milliarde Dollar der vereinbarten Zahlungen aus. CEO Blume sprach von einer Partnerschaft, die „schnell und präzise“ arbeite. Rivians CFO Claire McDonough nannte das Joint Venture bei einer JP-Morgan-Konferenz „sehr stark“ und sagte, die Architekturen seien in 13 Monaten für mehrere VW-Markenprogramme angepasst worden — „mehrfach schneller als VW es allein hätte schaffen können“.

Das ist keine Lüge. Die Wintertests haben stattgefunden. Der Meilenstein wurde erreicht. Und: nach Berichten des Spiegel wurden die Tests nicht allein durch das Joint Venture absolviert — VW-eigene Cariad-Ingenieure seien hinzugezogen worden, um die drei Testfahrzeuge termingerecht fertigzustellen.

VI. What Existed Before — and What Was Abandoned

A detail absent from the official communications of both companies deserves particular attention. Before the Rivian-Deal abgeschlossen wurde, existierte innerhalb von VW bereits ein internes Team, das genau das entwickeln sollte, was man später für Milliarden in Kalifornien einkaufte: eine neue Softwarearchitektur für Elektrofahrzeuge. Das Team hatte Rivians früheren Top-Entwickler Sanjay Lal, einen ehemaligen Tesla-Manager, als Leiter gewonnen. Es arbeitete abgeschirmt vom Alltagsbetrieb — und es lieferte: Innerhalb weniger Monate wurde ein ID.7-Prototyp auf eine neue Elektronikarchitektur mit selbst geschriebener Software umgebaut. Das Projekt, so ein später am Rivian-Deal beteiligter Konzernoberer, sei „gut unterwegs“ gewesen.

Blume entschied sich trotzdem für das Joint Venture. Der interne Weg wurde aufgegeben. Ein Beteiligter formulierte die Konsequenz nüchtern: VW habe seine wichtigste Zukunftstechnologie ausgegliedert und in die USA verlagert.

Was dabei übersehen wurde — oder bei den Vertragsverhandlungen nicht hinreichend bedacht —, hat sich inzwischen als strukturelles Problem erwiesen: Die gemeinsam entwickelte Software ist vertraglich nur für reine Elektrofahrzeuge vorgesehen. Nachdem VW entschieden hat, Verbrenner- und Hybridmodelle länger im Programm zu halten als geplant, bräuchte man eine Anpassung. Diese steht jedoch unter einem ungünstigen Vorzeichen: VW hätte für eine solche Nutzung Lizenzgebühren zu zahlen — für Software, die der Konzern zu einem erheblichen Teil selbst finanziert hat.

VII. The Technical Conflicts

Alongside the cost question, technical disagreements have been accumulating. Audis Sicherheitsexperten haben einen Entwurf des Joint Ventures für die Elektronikarchitektur des künftigen A4 abgelehnt: Die vorgesehenen zentralen Recheneinheiten sitzen nach ihrer Einschätzung zu nah an den Knautschzonen des Fahrzeugs. Bei einem Unfall könnten sie zerstört werden — und damit sicherheitsrelevante Funktionen ausfällen. Ein Audi-Sprecher erklärt, die Frage sei inzwischen gelöst; man habe einen „zielführenden Ansatz“ gefunden. Ob dieser Ansatz im geplanten Zeitrahmen umzusetzen ist, bleibt offen.

Der Wintertest, den VW Ende März 2026 als Meilenstein verkündete, wurde nicht allein durch das Joint Venture absolviert. Um die drei Testfahrzeuge termingerecht fertigzustellen, musste die konzerneigene Softwareeinheit Cariad — jene Einheit, die mit dem Rivian-Deal eigentlich schrittweise ersetzt werden sollte — einspringen. Audi hatte Cariad bereits im Frühjahr 2025 beauftragt, Arbeiten zu übernehmen, die ursprünglich das Joint Venture hätte liefern sollen. Das Ergebnis: VW finanziert beide Strukturen gleichzeitig.

VIII. Zwei Strukturprobleme, keine Lösung

What this partnership describes is not an unusual industrial process. Es ist ein bekanntes Muster: Ein Unternehmen, das eine Kernkompetenz nicht aufbauen konnte oder wollte, kauft sie ein. Aber eingekaufte Kompetenz ist keine eigene Kompetenz. Sie löst das Strukturproblem nicht — sie überbrückt es, solange das Geld fließt.

VW unterhält nun parallel Cariad für Verbrenner und ältere Modelle, das Joint Venture für künftige Elektrofahrzeuge — und muss zusätzlich Teams aufbauen, die allein dafür zuständig sind, Rivian-Software in VW-Modelle zu integrieren. Jedes Jahr, das dieser Zustand andauert, multipliziert die Komplexität. Ein ehemaliger Konzernvorstand bringt es auf den Punkt: „Die Komplexität wird diesen Konzern noch umbringen.“

Rivian, for its part, has used the VW billions to buy time and space um den entscheidenden R2-Launch vorzubereiten. Der R2, ein Mittelklasse-SUV für etwa 45.000 Dollar, soll das Unternehmen erstmals in einen breiten Massenmarkt bringen. Erste Kundenauslieferungen sind für Juni 2026 angekündigt. Ob der R2 Rivians Weg zur Profitabilität öffnet, ist eine offene Frage. Strukturell hängt Rivians Existenz bis dahin an den VW-Zahlungen.

Both companies say the partnership is strong. Both have reasons to say so. One needs the money. The other needs the story.

IX. What This Case Reveals

The Rivian-VW case illustrates a mechanism der in verschiedenen Kontexten immer wieder auftritt: Wer eine Kernfähigkeit über Jahrzehnte nicht aufgebaut hat, kann sie nicht durch Einkauf ersetzen. Man kann Technologie lizenzieren. Man kann ein Joint Venture gründen. Man kann Milliarden transferieren. Aber die organisatorische Fähigkeit, komplexe Software zu entwickeln, zu integrieren und über zehn Marken hinweg anzupassen, entsteht nicht durch Vertrag.

Cariad war nicht das Problem. Cariad war das Symptom. Das Problem liegt tiefer: in einer Konzernstruktur, die für das Zeitalter der mechanischen Präzision gebaut wurde und sich in das Zeitalter der Softwarekompetenz nicht transformieren kann, ohne ihre eigene Identität aufzugeben.

Rivian ist, vorläufig, der Gewinner dieser Konstellation. Es hat Milliarden erhalten, Zeit gewonnen und seinen Software-Stack als industriellen Standard positioniert. Ob dieser Standard trägt, wird der R2-Launch zeigen. Für VW ist das Ergebnis bis heute: mehr Kosten, mehr Parallelstrukturen, mehr Verzögerungen — und eine weitere Geschichte, in der man ankündigt, was man bisher nicht geliefert hat.

A former VW Group executive summarised it this way: the complexity would eventually destroy the company. The remark dates from early 2026. It is not an external verdict. It is a self-diagnosis from within.