HE IS A SON OF A BITCH, BUT HE'S OUR SON OF A BITCH
I. Der Satz
Der Satz wird Franklin D. Roosevelt zugeschrieben, gesprochen über Nicaraguas Diktator Anastasio Somoza García: „He's a son of a bitch, but he's our son of a bitch." Die Zuschreibung ist historisch umstritten. Die Haltung, die sie beschreibt, ist es nicht.
Der Satz enthält in sieben Wörtern die gesamte Außenpolitik der Vereinigten Staaten seit 1945. Und nicht nur der Vereinigten Staaten — auch Großbritanniens, Frankreichs, Russlands. Jeder Großmacht, die je einen Vasallen installiert hat, weil der Vasall nützlich war. Nicht gut. Nicht gerecht. Nicht demokratisch. Nützlich.
Die Realpolitik fragt nicht, ob jemand ein Hurensohn ist. Sie fragt, ob er unser Hurensohn ist. Solange die Antwort Ja lautet, fließen die Waffen, die Kredite, die Geheimdienstinformationen, die diplomatische Deckung. Und sobald die Antwort Nein lautet, wird aus dem Partner ein Feind, aus dem Verbündeten eine Bedrohung, aus dem Stabilitätsanker ein Diktator.
Der Übergang von Phase Eins zu Phase Zwei dauert manchmal Jahrzehnte. Die Konsequenzen dauern Jahrhunderte.
II. Der Urknall: Teheran, 1953
Am 15. März 1951 stimmte das iranische Parlament einstimmig für die Verstaatlichung der iranischen Ölindustrie. Mohammad Mossadegh, demokratisch gewählter Premierminister, setzte den Beschluss um. Das iranische Öl, seit 1913 von der Anglo-Iranian Oil Company (später BP) ausgebeutet, sollte dem iranischen Volk gehören.
Das war nicht Revolution. Das war Demokratie. Ein Parlament beschließt, ein Regierungschef führt aus. So steht es in jedem Lehrbuch.
Großbritannien reagierte mit einer Seeblockade, einem Ölembargo und dem Einfrieren iranischer Vermögenswerte. Als das nicht reichte, wandte sich London an Washington. Die CIA — unter Allen Dulles, dessen Bruder John Foster Dulles als Außenminister amtierte und dessen Anwaltskanzlei zuvor die Anglo-Iranian Oil Company vertreten hatte — entwarf Operation Ajax.
Am 19. August 1953 wurde Mossadegh gestürzt. Nicht durch eine Volkserhebung. Durch bezahlte Schlägertrupps, bestochene Offiziere, gekaufte Zeitungsredakteure und einen Plan, der in Langley geschrieben und in Teheran exekutiert wurde. An seine Stelle trat Mohammad Reza Shah Pahlavi — bis dahin ein machtloser konstitutioneller Monarch. Nun ein absoluter Herrscher. Our son of a bitch.
Die Iraner wissen das. Sie haben es nie vergessen. Nicht 1979, nicht 2003, nicht 2026. Jeder Iraner kennt den Namen Mossadegh. Und jeder Iraner kennt den Grund, warum er gestürzt wurde: Weil er es wagte, das iranische Öl den Iranern zu geben.
III. Die Dividende: 1953–1979
26 Jahre lang funktionierte die Rechnung. Der Shah regierte. Das Öl floss. Die Gewinne teilten sich anglo-amerikanische Konzerne und die iranische Krone. Die strategische Lage — Grenze zur Sowjetunion, Zugang zum Persischen Golf — machte den Iran zum „Gendarmen am Golf".
Was es kostete, stand nicht in der Bilanz.
Die SAVAK, der iranische Geheimdienst, wurde 1957 mit Hilfe der CIA und des israelischen Mossad gegründet. Ihre Methoden — Folter, Verschwindenlassen, Hinrichtungen — waren bekannt. In Washington wusste man es. Man fand es bedauerlich. Man fand es notwendig. Man fand es jedenfalls nicht hinderlich genug, um die Waffenlieferungen einzustellen.
Der Shah kaufte amerikanische Waffen für Milliarden. F-14 Tomcat, der modernste Kampfjet seiner Zeit — der Iran war der einzige ausländische Käufer. Panzer, Hubschrauber, Raketen — der Iran wurde zum größten Waffenkäufer im Nahen Osten. Jeder Dollar, den der Shah für Waffen ausgab, war ein Dollar, den er nicht in Schulen, Krankenhäuser oder demokratische Institutionen investierte. Das war kein Versehen. Das war das Geschäftsmodell.
26 Jahre lang war der Shah our son of a bitch. Nützlich. Berechenbar. Profitabel.
Und jeden Tag dieser 26 Jahre wuchs der Zorn.
IV. Die Explosion: 1979
Die Islamische Revolution von 1979 war kein Zufall. Sie war das Ergebnis. Das Ergebnis von 26 Jahren Unterdrückung, 26 Jahren SAVAK, 26 Jahren eines Shah, der sein Volk verachtete und von Fremden an der Macht gehalten wurde.
Ayatollah Khomeini kam nicht trotz des Shah an die Macht. Er kam wegen des Shah. Die Revolution richtete sich nicht gegen den Islam oder für den Islam — sie richtete sich gegen den Westen. Gegen die Macht, die Mossadegh gestürzt, den Shah installiert und die SAVAK ausgebildet hatte. Der antiamerikanische Furor der Revolution — die Geiselnahme in der Botschaft, die Rufe „Tod Amerika" — war nicht irrational. Er war die Antwort auf 26 Jahre Demütigung.
Und hier beginnt die eigentliche Tragik. Denn die Revolution ersetzte eine Diktatur durch eine andere. Den Shah durch die Mullahs. Die SAVAK durch die Revolutionsgarden. Die Unterdrückung blieb — sie wechselte nur die Uniform. Das iranische Volk, das 1953 eine Demokratie gehabt hatte, bekam 1979 eine Theokratie. Nicht weil es sich das gewünscht hatte, sondern weil die CIA 1953 den einzigen Mann beseitigt hatte, der eine demokratische Alternative verkörperte.
Mossadegh war der Impfstoff. Die CIA zerstörte den Impfstoff. Und 26 Jahre später brach die Krankheit aus.
V. Der nächste Hurensohn: 1980–1990
Die Antwort der Realpolitik auf die Islamische Revolution war nicht Selbstreflexion. Sie war ein neuer Hurensohn.
Saddam Hussein. Diktator des Irak. Baath-Partei. Giftgas gegen Kurden. Folter. Massenhinrichtungen. Alles bekannt. Alles akzeptiert. Denn Saddam war nützlich — er führte Krieg gegen den Iran.
Von 1980 bis 1988 tobte der Iran-Irak-Krieg. Eine Million Tote. Chemiewaffen im Einsatz — geliefert von westlichen Unternehmen, geduldet von westlichen Regierungen. Die USA lieferten dem Irak Satellitenaufklärung, Waffenkomponenten, Milliarden in Krediten. Donald Rumsfeld flog 1983 nach Bagdad und schüttelte Saddam die Hand. Das Foto existiert.
Gleichzeitig — und das ist die Perfidie der Bewirtschaftung — lieferte die Reagan-Administration heimlich auch Waffen an den Iran. Iran-Contra. Man bewaffnete beide Seiten. Der perfekte Konflikt: lang, blutig, profitabel. Keiner durfte gewinnen. Beide mussten weiterkämpfen. Bewirtschaftung.
Saddam war our son of a bitch. Bis er es nicht mehr war.
VI. Der Wechsel: 1990–2003
Am 2. August 1990 marschierte Saddam in Kuwait ein. Es war nicht das erste Mal, dass er ein Nachbarland angriff — den Iran hatte er zehn Jahre zuvor überfallen, mit amerikanischem Segen. Aber Kuwait war etwas anderes. Kuwait war ein ölreicher Kleinstaat mit guten Beziehungen zu Washington. Kuwait war our Kleinstaat.
Über Nacht wurde aus dem Verbündeten ein Feind. Dieselben Waffen, die man geliefert hatte, wurden zum Bedrohungsszenario. Dieselbe Armee, die man aufgebaut hatte, wurde zum Ziel. Dieselbe Satellitenaufklärung, die man geteilt hatte, wurde nun gegen den Empfänger eingesetzt.
Der erste Golfkrieg 1991 beließ Saddam an der Macht — man brauchte ihn noch als Gegengewicht zum Iran. Zwölf Jahre lang lebte er als halbtoter Hurensohn weiter: unter Sanktionen, unter Flugverbotszonen, unter ständiger Überwachung, aber an der Macht. Die Sanktionen töteten nach Schätzungen der Vereinten Nationen Hunderttausende irakischer Zivilisten — Kinder vor allem. Madeleine Albright sagte 1996 auf die Frage, ob der Tod von 500.000 irakischen Kindern den Preis wert sei: „We think the price is worth it."
Bewirtschaftung. Zwölf Jahre lang.
Dann kam der 11. September 2001. Saddam hatte nichts damit zu tun. Die Attentäter waren Saudis. Aber der Irak hatte Öl, lag strategisch günstig, und die neokonservative Fraktion in Washington brauchte einen Kriegsgrund. Also erfand man einen: Massenvernichtungswaffen, die nie existierten. Und 2003 marschierte man ein. Demokratieexport.
Der Irak wurde zerstört. Saddam wurde gehängt. Und das Land versank in einem Bürgerkrieg, der bis heute nachwirkt — ISIS, schiitische Milizen, iranischer Einfluss. Alles Folgen. Alles vorhersehbar. Alles vorhergesagt von jedem, der die Region kannte.
VII. Der Bumerang: 2003–2025
Die Zerstörung des Irak war das größte Geschenk, das man dem Iran machen konnte.
Der Irak unter Saddam war der natürliche Rivale des Iran — sunnitisch dominiert, arabisch, säkular, militärisch stark. Seine Beseitigung hinterließ ein Machtvakuum, das der Iran füllte. Schiitische Milizen im Irak, finanziert und ausgebildet von den Iranischen Revolutionsgarden. Hezbollah im Libanon, gestärkt durch iranische Waffen und iranisches Geld. Hamas in Gaza. Huthis im Jemen. Der „Schiitische Halbmond" — ein iranisches Einflussgebiet vom Libanon bis zum Golf.
Alles Folgen des Irak-Kriegs. Alles Folgen der Realpolitik. Alles Folgen des Satzes „He's our son of a bitch."
Man hatte Mossadegh beseitigt, weil er zu demokratisch war. Man hatte den Shah installiert, weil er nützlich war. Man hatte den Shah verloren, weil er zu brutal war. Man hatte Saddam bewaffnet, weil er gegen den Iran kämpfte. Man hatte Saddam beseitigt, weil er nicht mehr nützlich war. Und nun stand man einem Iran gegenüber, der stärker war als je zuvor — gestärkt durch genau die Fehler, die man gemacht hatte.
73 Jahre. Ein einziger Bogen. Jeder Schritt logisch. Jeder Schritt kurzsichtig. Jeder Schritt teuer — bezahlt nicht von denen, die ihn beschlossen, sondern von denen, die unter ihm litten.
VIII. Die Wiederholung: 28. Februar 2026
Am 28. Februar 2026 begannen die Vereinigten Staaten und Israel koordinierte Luftangriffe auf den Iran. Operation Epic Fury. Operation Roaring Lion. Khamenei wurde getötet. Die iranische Luftwaffe wurde zerstört. Die Marine liegt auf dem Grund des Persischen Golfs. Die Straße von Hormus ist geschlossen. Das Öl fließt nicht mehr.
Präsident Trump sagte, das Ziel sei „freedom for the people". Regimewechsel. Demokratieexport. Dieselben Worte, dieselbe Logik, dasselbe Muster wie 2003 im Irak, wie 2011 in Libyen. Dieselben Thinktanks, die den Einsatz empfohlen haben. Dieselben Argumente: Massenvernichtungswaffen, unmittelbare Bedrohung, Terrorismus.
Senator Tim Kaine sagte nach einer geheimen Unterrichtung, die Administration habe „keinerlei Belege für eine unmittelbare Bedrohung durch den Iran" vorlegen können. Nur ein Viertel der Amerikaner unterstützt den Krieg. Das Pentagon spricht von vier bis fünf Wochen.
Und niemand — niemand — fragt die einzige Frage, die zählt:
Was wäre, wenn man Mossadegh 1953 einfach hätte regieren lassen?
IX. Die Gegengeschichte
Man kann sie nicht beweisen. Aber man kann sie denken.
Ein Iran, in dem Mossadegh regiert. Ein Iran mit einer funktionierenden Demokratie, einer nationalen Ölindustrie, einer gebildeten Mittelschicht. Ein Iran, der sein Öl selbst verkauft — wie Norwegen. Der seinen Reichtum in Bildung investiert — wie Norwegen. Der eine säkulare Verfassung hat — wie die Türkei der 1950er Jahre.
In dieser Gegengeschichte gibt es keinen Shah. Keine SAVAK. Keine Revolution. Keinen Khomeini. Keine Geiselnahme. Keinen Iran-Irak-Krieg. Kein Iran-Contra. Keine Revolutionsgarden. Keine Hezbollah in ihrer heutigen Form. Keine Huthis als iranische Proxies. Keine Atomkrise. Keine Operation Epic Fury.
Eine Million Menschen, die im Iran-Irak-Krieg starben, hätten gelebt. Hunderttausende irakische Kinder, die unter den Sanktionen starben, hätten gelebt. Die Millionen, die im Irak-Krieg und seinen Folgen starben, hätten gelebt.
Alles — alles — geht zurück auf einen einzigen Moment. August 1953. Operation Ajax. Die Entscheidung, einen demokratisch gewählten Premierminister zu stürzen, weil er das Öl seines Landes verstaatlichte.
Die Realpolitiker von 1953 würden sagen: Man konnte das nicht wissen. Die Region war instabil. Die Sowjetunion war eine Bedrohung. Das Öl war zu wichtig.
Aber das ist die Logik der Realpolitik: Sie berechnet immer den kurzfristigen Gewinn und ignoriert den langfristigen Preis. Sie sieht den Nutzen des Hurensohns und übersieht die Kosten seiner Herrschaft. Sie gewinnt jeden Tag und verliert jedes Jahrhundert.
X. Das Muster
Es geht nicht nur um den Iran. Das Muster wiederholt sich, Kontinent für Kontinent, Jahrzehnt für Jahrzehnt.
Guatemala, 1954. Jacobo Árbenz, demokratisch gewählt, verstaatlicht ungenutztes Land der United Fruit Company. CIA-Putsch. 36 Jahre Bürgerkrieg. 200.000 Tote.
Chile, 1973. Salvador Allende, demokratisch gewählt, verstaatlicht Kupferminen. CIA-unterstützter Putsch. Pinochet. 17 Jahre Diktatur. Tausende Tote, Zehntausende Gefolterte.
Kongo, 1961. Patrice Lumumba, demokratisch gewählt, will kongolesische Ressourcen für den Kongo. CIA-unterstützte Ermordung. Mobutu installiert. 32 Jahre Kleptokratie. Millionen Tote in den Folgekriegen.
Afghanistan, 1979–2021. Mudschaheddin bewaffnet gegen die Sowjetunion. Aus den Mudschaheddin wird al-Qaida. Aus al-Qaida wird der 11. September. 20 Jahre Krieg. Billionen Dollar. Am Ende: Die Taliban regieren wieder.
Libyen, 2011. Gaddafi gestürzt. Demokratieexport. Ergebnis: Zwei Regierungen, Bürgerkrieg, Sklavenmärkte, bewaffnete Milizen, unkontrollierte Migration nach Europa.
Jeder Fall: Ein gewählter oder zumindest stabiler Anführer wird beseitigt, weil er nicht unser Anführer ist. Ein Hurensohn wird installiert. Der Hurensohn wird unbequem. Der Hurensohn wird beseitigt. Das Land wird zerstört. Ein neuer Hurensohn wird gesucht.
Die Kosten tragen immer dieselben: die Bevölkerung. Die Menschen, die in keinem der Planungszimmer sitzen, in keinem der Thinktanks, in keinem der Situation Rooms. Die Menschen, die sterben, fliehen, hungern, trauern — während in Washington, London oder Paris die nächste „strategische Partnerschaft" besiegelt wird.
XI. Die Frage, die nicht gestellt wird
Warum hört es nicht auf?
Nicht weil die Realpolitiker dumm wären. Sie sind nicht dumm. Sie sind intelligent, gut ausgebildet, informiert. Sie kennen die Geschichte. Sie kennen die Folgen. Sie haben Akten gelesen, die wir nie sehen werden. Sie wissen, dass Operation Ajax zum Shah führte und der Shah zu Khomeini und Khomeini zu allem, was danach kam.
Es hört nicht auf, weil das Muster funktioniert — für die, die es betreiben. Nicht für die Bevölkerungen. Nicht für den Frieden. Nicht für die Demokratie. Aber für die sieben Säulen, die davon leben.
Die Rüstungsindustrie verdient an jeder Phase. An der Bewaffnung des Hurensohns. An der Bewaffnung seiner Gegner. Am Krieg gegen ihn. Am Wiederaufbau danach. Am nächsten Hurensohn.
Die Geheimdienste rechtfertigen ihre Budgets. Jeder gescheiterte Hurensohn beweist, dass die Welt gefährlich ist. Dass mehr Überwachung nötig ist. Mehr Operationen. Mehr Budget.
Die Thinktanks produzieren Studien. Vor dem Krieg: Warum er nötig ist. Während des Kriegs: Wie er gewonnen wird. Nach dem Krieg: Warum er gescheitert ist und der nächste nötig ist.
Die Politik gewinnt Wahlkämpfe. Ein Präsident, der einen Diktator stürzt, ist ein starker Präsident. Dass das Land zehn Jahre später in Trümmern liegt, ist das Problem seines Nachfolgers.
Die Banken finanzieren alles. Waffenexporte, Wiederaufbauverträge, Ölkonzessionen. Drei Geschäfte aus jedem Konflikt.
Die Medien haben Schlagzeilen. Einmarsch, Bombardierung, Regimewechsel, Chaos, humanitäre Krise — jede Phase liefert Content für Monate.
Die Thinktanks liefern die Theorie. Demokratieförderung, Stabilisierung, Kapazitätsaufbau — jedes Wort ein Euphemismus, jeder Euphemismus ein Geschäft.
Niemand in dieser Kette hat ein Interesse daran, die Frage zu stellen: Was wäre, wenn wir es einfach lassen? Was wäre, wenn Mossadegh regieren dürfte? Was wäre, wenn Árbenz sein Land reformieren dürfte? Was wäre, wenn Allende sein Kupfer behalten dürfte?
Die Frage wird nicht gestellt, weil die Antwort das Geschäftsmodell zerstören würde.
XII. Die Rechnung
73 Jahre. Von Mossadegh bis Operation Epic Fury. Eine einzige, ununterbrochene Kette von Entscheidungen, die jeweils die nächste Katastrophe erzeugten.
Ein demokratisch gewählter Premierminister wurde gestürzt, weil er das Öl seines Landes verstaatlichte. Die Folgen: ein Vierteljahrhundert Diktatur, eine Revolution, eine Theokratie, ein achtjähriger Krieg mit einer Million Toten, ein weiterer Krieg mit Hunderttausenden Toten, ein Vierteljahrhundert Sanktionen, ein Atomprogramm, ein Proxy-Netzwerk von Beirut bis Sanaa — und jetzt ein neuer Krieg, dessen Ende niemand absehen kann.
Die Straße von Hormus ist geschlossen. Das Öl fließt nicht. Die Weltwirtschaft taumelt. Sechs amerikanische Soldaten sind tot. Hunderte iranische Zivilisten sind tot. Krankenhäuser sind zerstört. Schulen sind zerstört.
Und alles begann damit, dass ein Premierminister glaubte, das Öl seines Landes gehöre seinem Land.
„He's a son of a bitch, but he's our son of a bitch." Der Satz ist nicht zynisch. Er ist ehrlich. So ehrlich, dass er alles erklärt. Und nichts entschuldigt.