Essay · Hans Ley & Claude Dedo · 2. November 2026

IT – made in Germany

Der IT-Dienstleister des Bundes: wie er wächst, was er kostet und wem er das Geld überweist

2016 hat der Bund einen eigenen IT-Dienstleister gegründet, um seine Technik zu bündeln, billiger zu machen und in eigener Hand zu halten. Zehn Jahre später hat er doppelt so viel Personal und gibt mehr als dreimal so viel aus. Die Bündelung ist abgesagt, und in eigener Hand ist wenig.

I. Ein Amt, das niemand kennt

Das Informationstechnikzentrum Bund, kurz ITZBund, entstand am 1. Januar 2016 aus drei IT-Dienstleistern verschiedener Ministerien. Es betreibt Rechner, Netze und Fachverfahren für einen großen Teil der Bundesverwaltung, von der Zollabfertigung bis zur Haushaltsführung. Außerhalb der Verwaltung kennt es kaum jemand. Wenn es auftaucht, dann in Nebensätzen. Die neue Zuckergetränkesteuer etwa braucht nach dem Änderungsantrag der Koalition 23 zusätzliche Stellen beim ITZBund, wie wir in „Sparen auf dem Papier“ beschrieben haben.

II. Doppelt so viele Leute, dreimal so viel Geld

Bei der Gründung hatte das ITZBund nach eigenen Angaben rund 2.300 Beschäftigte, heute sind es rund 4.600. Seine Ausgaben stiegen nach den Zahlen des Bundesrechnungshofs von 440 Millionen Euro im Jahr 2016 auf 1,58 Milliarden im Jahr 2024. Für 2026 sind gut 1,6 Milliarden veranschlagt.

Wachstum allein ist kein Vorwurf. Die Verwaltung soll digital werden, und dafür braucht man Leute und Technik. Die Frage ist, was mit dem Geld entstanden ist.

III. Die abgesagte Bündelung

Seit 2015 läuft die „IT-Konsolidierung Bund“. Die Bundesverwaltung betrieb damals mehr als 1.300 Rechenzentren und Serverräume, und das sollten sehr viel weniger werden. Die Kosten waren anfangs auf rund eine Milliarde Euro geschätzt. Nach dem Bericht des Bundesrechnungshofs von 2025 sind daraus rund 3,5 Milliarden geworden. Das Ziel, die Rechenzentren zusammenzulegen, hat die Bundesregierung inzwischen zu den Akten gelegt.

Auch das gemeinsame Fundament ist kleiner ausgefallen als geplant. Für die zentrale Betriebsplattform des Bundes waren drei Standorte mit je zwei Zonen vorgesehen. Gebaut wurde ein Rechenzentrum mit zwei Zonen. Der Rechnungshof sieht darin das Risiko, dass geschäftskritische IT im Not- und Krisenfall ausfällt. Dass Rechenzentren inzwischen militärische Ziele sind, haben wir in „Alle Eier in Frankfurt“ beschrieben.

Ein Vorhaben, das Kosten sparen sollte, kostet das Dreieinhalbfache und hat sein Ziel eingespart.

IV. Wem das Geld überwiesen wird

Für Microsoft-Lizenzen gab die Bundesverwaltung 2023 rund 274 Millionen Euro aus, 2024 rund 348 Millionen und 2025 rund 481 Millionen. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Rebecca Lenhard hervor. Die Regierung schränkt ein, die Jahre seien nur teilweise vergleichbar. Länder und Kommunen sind nicht enthalten. Auch mit diesen Vorbehalten sind es 76 Prozent mehr in zwei Jahren.

Dass Daten bei einem amerikanischen Anbieter amerikanischem Recht unterstehen, gleich wo der Server steht, und dass die als souverän angebotene Delos Cloud auf Microsoft-Technik läuft, haben wir in „Die geliehene Souveränität“ gezeigt. Dass ein fremder Staat einer Institution in Europa per Sanktion die Werkzeuge abschalten kann, zeigt der Fall des Internationalen Strafgerichtshofs, den wir in „Der Schalter“ beschrieben haben. Der Gerichtshof ist inzwischen zu openDesk gewechselt, einer Bürosoftware, die der Bund selbst hat entwickeln lassen. Der Bund liefert also einem internationalen Gericht den Ausweg, den seine eigene Verwaltung nicht nimmt.

Der Bundesrechnungshof stellte 2025 außerdem fest, dass die Bundesregierung nicht untersucht hat, wie sich globale technologische und geopolitische Entwicklungen auf ihre gebündelte IT auswirken. Ein Apparat, der jährlich Milliarden für Technik ausgibt, hat nicht geprüft, was geschieht, wenn der wichtigste Lieferant nicht mehr liefern darf.

V. Das Stadtwerk ohne Quelle

Man stelle sich ein Stadtwerk vor, das jedes Jahr mehr Personal einstellt, aber selbst kein Wasser fördert. Es kauft das Wasser bei einem einzigen Lieferanten im Ausland, der die Preise festlegt und dessen Regierung den Hahn zudrehen kann. Die Leute im Stadtwerk verlegen Rohre, warten Zähler und schreiben Rechnungen. Sie sind tüchtig. Aber was durch die Rohre fließt, bestimmen andere.

So ungefähr sieht die Lage aus. Das ITZBund betreibt, wartet und verwaltet. Einen großen Teil der Software, auf der die Verwaltung arbeitet, stellt es nicht selbst her und kann es nicht verändern. Mit jedem Jahr wird der Wechsel teurer, weil mehr Verfahren, mehr Daten und mehr Gewohnheiten am Produkt hängen. Das erklärt, warum der Anbieter die Preise erhöhen kann: Der Kunde kommt schwer weg.

Wie es anders gehen kann und wie mühsam es ist, zeigen München, das zehn Jahre lang auf Linux umgestellt und dann wieder zurückgebaut hat, und Schleswig-Holstein, das seit 2024 umstellt. Davon handelt „Der Schalter im Rathaus“.

VI. Der nächste Umbau

Das ITZBund gehörte bisher zum Geschäftsbereich des Bundesfinanzministeriums. Nach einem Referentenentwurf vom Oktober 2026 soll es zum neuen Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung wechseln und dort der zentrale Infrastruktur- und Plattformdienstleister des Bundes werden, ab 2028 als rechtsfähige Anstalt. Das Finanzministerium bekommt zugleich einen eigenen neuen Dienstleister, FinTechBund, der die IT der Steuerverwaltung übernimmt. Aus der Bündelung, die 2016 drei Dienstleister zu einem gemacht hat, werden also wieder zwei.

Das Digitalministerium hat ein Zustimmungsrecht bei den wesentlichen IT-Ausgaben des Bundes. Der Hebel ist also da. Ob er genutzt wird, zeigt sich an den nächsten Lizenzverträgen.

VII. Was hier made in Germany ist

Made in Germany ist an der Bundes-IT vor allem die Verwaltung der Verwaltung: Organigramme, Umzüge, Konsolidierungsprogramme, Stellenpläne. Ein großer Teil dessen, womit gearbeitet wird, kommt aus Redmond. Das ist kein Plan und keine Verschwörung. Es ist das, was entsteht, wenn jede einzelne Beschaffung für sich vernünftig erscheint, weil das Bekannte billiger und sicherer wirkt als der Wechsel, und niemand die Summe dieser Entscheidungen prüft. Genau das hat der Bundesrechnungshof festgestellt: Die Summe hat niemand geprüft.

Weiterlesen: Die geliehene Souveränität · Der Schalter im Rathaus · Der Schalter · Die digitale Kolonie · Alle Eier in Frankfurt · Sparen auf dem Papier

Hans Ley & Claude Dedo (Anthropic) — Nürnberg, 2. November 2026.

Quellen. ITZBund, Pressemitteilung „10 Jahre ITZBund“, 8. Januar 2026. · Bundesrechnungshof, Bericht zum Einzelplan 25 (Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung), Haushalt 2026 (Ausgaben des ITZBund 2016–2024, Betriebsplattform Bund). · Bundesrechnungshof, „Zentrale IT des Bundes – 10 Jahre IT-Konsolidierung Bund und Netze des Bundes“, 2025; dazu netzpolitik.org, „Bundesregierung verfehlt Ziele der IT-Konsolidierung“, 18. August 2025. · Stuttgarter Zeitung, „Bund gibt 2025 über 481 Millionen Euro für Microsoft-Lizenzen aus“, nach der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage von Rebecca Lenhard (Bündnis 90/Die Grünen). · The Register, „Microsoft asks UK Parliament to correct record on ICC email“, 18. Februar 2026. · Vergabeblog, „Referentenentwurf zur Neuordnung der Bundes-IT: ITZBund soll zentraler Infrastruktur- und Plattformdienstleister werden“, 26. Oktober 2026. · ZDFheute, Bericht zur Ausweitung der Zuständigkeiten des Digitalministeriums.